Was misst HbA1c?
Zucker (Glukose) bindet im Blut an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Der HbA1c-Wert gibt an, welcher Anteil des Hämoglobins auf diese Weise „verzuckert“ ist. Weil rote Blutkörperchen rund 120 Tage leben, spiegelt der Wert den mittleren Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen wider – wobei die letzten Wochen stärker ins Gewicht fallen. [1]
Anders als ein einzelner Nüchternblutzucker hängt HbA1c nicht von der letzten Mahlzeit ab. Dafür zeigt er keinen Tagesverlauf und keine einzelnen Blutzuckerspitzen.
Welche HbA1c-Werte sind für die Diabetesdiagnostik relevant?
| HbA1c | mmol/mol | Einordnung nach NVL |
|---|---|---|
| unter 5,7 % | unter 39 | kein Diabetes nach diesem Kriterium |
| 5,7 bis 6,4 % | 39 bis 47 | erhöhtes Risiko für Diabetes |
| ab 6,5 % | ab 48 | Diagnosegrenze für Diabetes |
Die NVL verlangt für die Diagnose zwei Laborwerte im auffälligen Bereich. HbA1c, Nüchternblutzucker und gegebenenfalls ein Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest) erfassen unterschiedliche Aspekte des Zuckerstoffwechsels; ihre Kombination gleicht die Schwächen der einzelnen Verfahren aus. Für die Diagnose zählt nur die Messung im qualitätsgesicherten Labor – kein Schnelltest. [1,2]
Ist 6,5 Prozent automatisch Diabetes?
Ein HbA1c von 6,5 Prozent beziehungsweise 48 mmol/mol ist die Diagnosegrenze. Solange keine eindeutigen Symptome einer Überzuckerung vorliegen, soll die Diagnose aber durch eine zweite Messung bestätigt werden. Die NVL weist zudem darauf hin, dass HbA1c durch verschiedene Faktoren verfälscht werden kann. [1]
Auch die amerikanische Diabetesgesellschaft (ADA) verwendet 6,5 Prozent als Diagnosegrenze und verlangt ohne eindeutige Überzuckerung eine Bestätigung. [2]
Was bedeutet ein HbA1c zwischen 5,7 und 6,4 Prozent?
Dieser Bereich gilt in der NVL als erhöhtes Diabetesrisiko – oft „Prädiabetes“ genannt. Er ist keine Diabetesdiagnose, schließt einen Diabetes aber auch nicht aus: Die NVL sieht in diesem Bereich eine weitere Abklärung über Nüchternblutzucker oder Zuckerbelastungstest vor. [1]
Für die Vorsorge ist genau dieser Bereich das eigentliche Fenster. Große Studien zeigen, dass Lebensstiländerungen hier das Fortschreiten zu einem Diabetes deutlich verzögern oder verhindern können; die amerikanische Diabetesgesellschaft empfiehlt sie ausdrücklich. Anders als bei vielen Laborwerten gibt es also eine klar benannte und wirksame Konsequenz aus dem frühen Wissen – mehr Bewegung, angepasste Ernährung und Gewichtsabnahme, bevor eine Diagnose entsteht. [4]
Zur Einordnung: Die gesetzliche Gesundheitsuntersuchung („Check-up“, einmalig zwischen 18 und 34 Jahren, ab 35 alle drei Jahre) enthält einen Blutzuckertest, aber kein HbA1c. [3] Der dort gemessene Blutzucker erfasst das Risiko ebenfalls. Die NVL empfiehlt eine gezielte Untersuchung vor allem Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko – etwa bei Übergewicht, Diabetes in der Familie, Bluthochdruck oder früherem Schwangerschaftsdiabetes – und kein darüber hinausgehendes Screening der Allgemeinbevölkerung. HbA1c kann den Blutzucker ergänzen, wenn Ärztin oder Arzt das für sinnvoll halten oder man ihn selbst bestimmen lassen möchte. [1]
Welche Faktoren können HbA1c verfälschen?
HbA1c hängt nicht nur vom Blutzucker ab, sondern auch von der Lebensdauer und Zusammensetzung der roten Blutkörperchen. Die NVL nennt unter anderem Blutarmut (Anämie), Blutverlust, Bluttransfusionen, seltene Hämoglobinvarianten, Schwangerschaft, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Dialyse und bestimmte Medikamente als mögliche Einflussfaktoren. Auch mit dem Alter steigt HbA1c leicht an. [1,2]
Beispielsweise können Eisen-, Folsäure- oder Vitamin-B12-Mangel zu falsch hohen Werten führen, während Blutverlust oder eine verkürzte Lebensdauer roter Blutkörperchen den HbA1c falsch niedrig erscheinen lassen. [1]
