Welcher Vitamin-D-Wert wird im Blut gemessen?
Zur Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung wird 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D, bestimmt. Es entsteht in der Leber aus dem Vitamin D, das der Körper mit Sonnenlicht in der Haut bildet oder mit der Nahrung aufnimmt, und gilt als bester Marker für die Versorgung aus beiden Quellen. [1]
Die Einheiten ng/ml und nmol/l werden beide verwendet. Für 25(OH)D gilt näherungsweise: 20 ng/ml entsprechen 50 nmol/l, 30 ng/ml entsprechen 75 nmol/l. [1]
Welcher Vitamin-D-Wert gilt als ausreichend?
| 25(OH)D | Einordnung nach BfR |
|---|---|
| unter 30 nmol/l / unter 12 ng/ml | Risiko eines Vitamin-D-Mangels |
| 30 bis 50 nmol/l / 12 bis 20 ng/ml | suboptimal; nicht bei jeder Person ein Mangel |
| 50 bis 125 nmol/l / 20 bis 50 ng/ml | für nahezu alle Menschen bedarfsdeckend für die Knochengesundheit |
| über 125 nmol/l / über 50 ng/ml | mögliche Überversorgung; kein zusätzlicher Nutzen belegt |
Die Tabelle beschreibt die Versorgung im Hinblick auf die Knochengesundheit. Sie ist kein Beleg dafür, dass ein höherer Wert für andere Ziele wie Herz-Kreislauf-Prävention oder Langlebigkeit automatisch besser ist. [1,3]
Zur Einordnung der eigenen Zahl: Nach standardisierten Daten des Robert Koch-Instituts (DEGS1, 2008–2011), auf die sich das BfR bezieht, liegen rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland unter 30 nmol/l, etwa 41 Prozent im suboptimalen Bereich und 44 Prozent bei 50 nmol/l oder darüber. Ein Wert um 15 ng/ml ist also häufig. Er ist kein Notfall, kann aber – je nach Risikofaktoren – ein Anlass sein, die Versorgung zu verbessern. [1]
Sind 30 oder 40 ng/ml besser als 20 ng/ml?
Für die allgemeine Krankheitsvorbeugung gibt es keinen belegten Zielwert oberhalb von 20 ng/ml. Die amerikanische Endocrine Society legt in ihrer Leitlinie 2024 – anders als 2011 – für gesunde Erwachsene keinen 25(OH)D-Zielwert mehr fest, oberhalb dessen ein zusätzlicher Schutz vor Erkrankungen nachgewiesen wäre. [3]
Das heißt nicht, dass alle Werte biologisch gleich sind. Es heißt, dass große Studien bislang keinen Zielwert gezeigt haben, auf den gesunde Menschen eingestellt werden sollten, um verlässlich weniger Erkrankungen zu bekommen. [3]
Wann ist eine Vitamin-D-Messung sinnvoll?
Eine Messung ist dann sinnvoll, wenn sie eine konkrete medizinische Frage beantwortet. Dazu gehören Symptome, die auf einen Mangel hindeuten können, etwa Knochenschmerzen oder Muskelschwäche; Erkrankungen, die Aufnahme oder Verstoffwechselung von Vitamin D stören, etwa chronische Darm-, Nieren- oder Lebererkrankungen; die Abklärung einer Osteoporose; sowie die Kontrolle vor und während einer ärztlich begleiteten Hochdosis-Behandlung. Solche etablierten Anlässe klammert die Endocrine Society aus ihrer Leitlinie ausdrücklich aus – dort ist die Messung Teil der ärztlichen Diagnostik. [3]
Ein routinemäßiges Screening gesunder Erwachsener ohne solchen Anlass empfiehlt die Endocrine Society nicht: Es ist nicht belegt, dass Messen plus zielgerichtetes Supplementieren bessere Ergebnisse bringt als eine einfache Basisversorgung. Für vier Gruppen schlägt sie – als schwache Empfehlung – stattdessen eine Supplementierung ohne vorherige Messung vor: Kinder und Jugendliche, Menschen ab 75 Jahren, Schwangere und Menschen mit Prädiabetes und hohem Diabetesrisiko. [3]
Warum können Vitamin-D-Werte zwischen Laboren abweichen?
Die Messung von 25(OH)D ist methodisch anspruchsvoll; je nach Messverfahren und Labor können die Ergebnisse spürbar abweichen. Hinzu kommt die Jahreszeit: Werte sind im Spätsommer typischerweise deutlich höher als im Spätwinter. Für Verlaufswerte sind deshalb dasselbe Labor, dasselbe Messverfahren und eine vergleichbare Jahreszeit hilfreich. [1]
